Die Fondation Stamm

Am Tag nach unserer Ankunft nehmen wir Kontakt zu Verena Stamm, der Gründerin der gleichnamigen Fondation, auf. Verena lebt seit 30 Jahren in Burundi und hat mehrere kriegerische Auseinandersetzungen erlebt. Nach dem Ende des letzten Bürgerkrieges beschloss sie, einen Verein zur Unterstützung von durch den Krieg betroffenen Kindern zu gründen. Verena besitzt ein Restaurant, ein wunderschönes Anwesen namens „Ché andre“ in zentraler Lage. Auf einer Gala in Köln zu Gunsten von burundikids e.V., der unterstützenden Organisation aus Deutschland, hat sie etwas gesagt, dass ich nicht vergessen habe: „Ich konnte es nicht mehr ertragen zu sehen, wie die Kinder an mein Tor kamen, weil sie an Hunger litten.“

Heute unterhält die Fondation Stamm ein Straßenkinderheim und ein weiteres Kinderheim für Jungen und Mädchen in Bujumbura. Außerdem wurde erst vor kurzem ein weiterer Teil eines Schulgebäudes in Gatumba, ein Ort etwa zwanzig Minuten entfernt von der Hauptstadt von Burundi, fertiggestellt. Zusätzlich zur Schule, die hier im Lande zwischen dem 17. und dem 25. September beginnen soll, soll ein Kindergarten für die Kleinen eröffnet werden. Außerdem gibt es ein Frauen- und Mädchenheim in Kamenge, ca. zehn Minuten von Bujumbura entfernt. Dort leben eine Menge tapferer Frauen zwischen 15 und 25 Jahren, von ihren Familien verstoßen, weil sie schwanger wurden. Täglich, wie uns eine resolute burundische Mitarbeiterin berichtete, klopfen weitere Frauen an das Tor der Zufluchtsstelle und bitten um Asyl. Des weiteren sorgt eine Ernährungsstation hoch im Norden des Landes für die Überbrückung der Hungersnöte, die besonders die Landbevölkerung regelmäßig heimsuchen.

Sofort sind wir, meine Freundin Imani und ich, beeindruckt von dem breiten Ansatz der Hilfsorganisation. Auch die Bereitschaft, freiwillige Helfer jederzeit willkommen zu heißen, sofern es die Kapazitäten zulassen, erinnert uns gleich an die viel gepriesene afrikanische Gastfreundschaft. Verena Stamm erklärt sich alsbald bereit, uns das Kinderheim für Mädchen und Jungen in Bujumbura zu zeigen. Es liegt ein wenig oberhalb des Restaurants „Ché andre“ in einer der bevorzugtesten Gegenden Bujumburas. Umgeben von herrschaftlichen Häusern mit groß angelegten Gärten befindet sich das Kinderheim in exzellenter Gesellschaft.
Das wird auch gleich deutlich, als wir das Tor zum Heim passieren. Es ist von den Kindern bunt bemalt worden mit allen möglichen Tieren und markiert das Reich von 60 Jungen und Mädchen, den Betreuern sowie den freiwilligen Helfern, die hier ihre Unterkunft haben. Das Heim besteht aus drei länglichen Bauten: einer für die Jungs, ein zweiter für die Mädchen und das dritte Gebäude dient als Unterkunft für die Freiwilligen. Zwischen den Bauwerken liegen zwei große Plätze aus festgetretener roter Erde, die als Spielfeld und Raum zum Herumtollen genutzt werden. Wir haben sofort den Eindruck einer friedlichen Umgebung, nicht zuletzt durch die Höflichkeit der Kinder, die uns alle mit einem schüchternen „Bon jour“ und einem Händedruck willkommen heißen. Schon bald ist uns klar: Wir wollen zusammen mit den Kindern leben, ihre Erlebnisse teilen und Verena Stamm tatkräftig zur Seite stehen.

Am 31. August haben wir schließlich unser neues Zuhause für die nächsten neuneinhalb Monate bezogen und wohnen nun unter einem Dach mit den drei anderen freiwilligen Helfern Ruth, Kerstin und Nadine. Endlich angekommen, freuen wir uns jetzt erst recht auf die Arbeit hier. Die meisten Kinder im Heim sprechen neben Kirundi und Französisch, den offiziellen Landessprachen, auch Suaheli und sind entzückt, dass sie sich mit Imani, die in Burundi geboren ist, so fließend unterhalten können. Noch sind zwar nicht alle Kinder wieder im Heim, weil gerade Schulferien sind und die Kinder den Urlaub teilweise bei Verwandten verbringen, aber wir versuchen, uns schon einen Überblick über die Kinder zu verschaffen. Es gibt so viele neue Gesichter und Namen, die es sich zu merken gilt. Die Kinder, das ist uns klar, sind jedes für sich ganz besondere Wesen: die einen ruhig und zurückhaltend, die anderen ausgelassen und selbstsicher. Aber noch ist es für uns beide zu früh, die ersten Schlüsse zu ziehen. Imani und ich haben Geduld.

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~ von lauraschmidtniederhoff - September 4, 2007.

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