Im Kinderheim zuhause

Wir fühlen uns jetzt schon richtig heimisch. Nach der ersten Phase, die dem Beschnuppern galt, kommen die Kinder nun schon ohne Scheu auf uns zu. Oft stehen sie in meiner Nähe und grinsen mich an. Ich lächele zurück, resignierend, dass ich nur gestikulierend mit ihnen kommunizieren kann, weil mein Französischkurs am Kulturzentrum erst nächste Woche beginnen wird.
Dafür sind sie umso aufgeweckter, wenn eine neue Attraktion ansteht. Regelmäßig schaut Imani mit den Kindern DVDs an und besonders, nachdem Verena Stamm dem Heim einen neuen Fernseher gespendet hat, ist Fernsehen wieder eines der Highlights! Nadine, Kerstin und Ruth waren am Wochenende mit dreien der Kleinsten am Strand und haben den Kindern einen bestimmt unvergesslichen Tag beschert. Die größeren Jungs findet man dafür oft beim Fußball- oder Volleyballspielen, was sie mit einer unglaublichen Geschicklichkeit zu tun pflegen. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass sich hinter dem einen oder anderen ein zukünftiger Nationalspieler der burundischen Mannschaft versteckt. Man kann ja nie wissen…

Was mir hier besonders auffällt, ist, dass sich die Kinder für fast alles begeistern können. Sei es Karten spielen, puzzeln oder auch Schach (die ersten Übungsstunden haben die Kinder schon bravourös gemeistert!), alles wird euphorisch aufgenommen. Verblüfft durfte ich heute beobachten, wie Erneste, Venuste und Japhet, drei Jungs von rund zehn Jahren, mit Imani ein „Kochstudio“ veranstalteten und sich mit einer solchen Hingabe und Geschicklichkeit der Zubereitung der Spaghetti mit Tomatensauce widmeten, dass es mir die Sprache verschlug: Venuste schnitt die Zwiebeln, Erneste die Tomaten, Japhet schmeckte ab. Gleichzeitig säuberte einer der drei die Tischplatte und versetzte die Küche wieder in einen glänzenden Zustand. Keiner der Jungen redete während des Kochens, alles lief in völliger Harmonie ab, als würden drei Zahnräder perfekt ineinander greifen. Nach 15 Minuten war das Essen bereit. Und wir geplättet. Das Dinner haben sich die drei wirklich verdient!

Auch Gladys, das Mädchen, das vor drei Monaten von ihrer Krankheit Aids erfahren hat, ist wieder bei uns. Zwar etwas dünner als zuvor, da sie lange Zeit im Krankenhaus gelegen ist und viel durchgemacht hat. Dennoch scheint es ihr wieder den Umständen entsprechend gut zu gehen. Ihre Tapferkeit bewundere ich sehr!

*** In großer Not zeigt sich der große Mut ***

Jean-François Régnard (1655 – 1709), Dichter

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~ von lauraschmidtniederhoff - September 12, 2007.

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