Weihnachten in Burundi

Heiligabend ist vorbei und Silvester steht vor der Tür. Und ich muss sagen, dass der Weihnachtsabend, entgegengesetzt zu meinen Eindrücken im letzten Eintrag, äußerst feierlich verlief! Wir Freiwilligen Ruth, Kerstin, Nadine, Luisa (unsere Besucherin aus Berlin kam Anfang Dezember in Burundi an), Philipp, Imani und ich waren bei Verena Stamm und ihrem Mann Benoit zum Essen eingeladen. Das Chez André kleidet sich besonders nachts in eine romantische Atmosphäre: goldgelbes Licht erhellt die Fassade, der Kies des Vorplatzes knirscht unter meinen Füßen und die das Restaurant umgebenden Pflanzen betäuben mich mit ihrem schweren, süßen Duft. Als wir das Chez André betraten, vertraten wir jedoch immer noch die Ansicht, dass Weihnachten in Burundi kein Festtag werden konnte – was Nadine in etwa so formulierte: „Es fehlt diese innere Wärme, wenn es draußen kalt ist und man sich im Haus heiß redet, so dass die Backen richtig rot werden!“ Ich fand, Nadine hatte Recht, vor allem, da die Temperatur bei etwa 20 bis 25 Grad Celsius lag und man nicht das Bedürfnis hatte, sich an einer Tasse Tee zu wärmen. Doch die Überraschung folgte, als wir den Tisch wechselten und uns auf Verenas Vorschlag hin zu der erhöhten Terrasse begaben, die einen Ausblick auf den Vorplatz bietet. Verena hatte jedem von uns mittels liebevoll gebastelter Tischkärtchen einen Platz zugewiesen und – oh Wunder – es gab Geschenke! Jedes Präsent war ein Kompliment an den Beschenkten. Man bekam zumindest den Eindruck, weil es Verenas exzellenter Beobachtungsgabe zu verdanken ist, dass wir alle das erhielten, was unsere Persönlichkeit unterstrich. Darunter fielen Schultertücher, Armbänder, Ketten, Schuhe, Bücher und ein Aschenbecher. An dieser Stelle will ich mich noch einmal für die Gastfreundschaft bedanken, die uns einen Weihnachtsabend bescherte, den wir mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werden – ein Heiligabend mit ganz viel innerer Wärme!

Den Kindern der verschiedenen Heime der Fondation Stamm wollten wir von unserer Freude natürlich auch etwas abgeben. So feierten wir mit den Kindern unseres „Centre Uranderera“ am Dienstag nach Heiligabend ein großes Fest. Die Kinder beschenkten sich gegenseitig mit Spenden aus Verenas Vorrat. Der Freudentaumel der Kinder entlud sich dabei in begeistertem Klatschen und Rufen, besonders, wenn ein Junge ein Mädchen (bzw. umgekehrt) beschenken musste. Die Stimmung war großartig! An die Bescherung schlossen sich somit gleich Musik und Tanz an, bis es dunkel wurde.
Auch in den anderen Heimen wurde gefeiert: Am Montag, den 24. Dezember, fand ein Fest in Kanyosha im Straßenkinderheim statt. Heute wurden in Kamenge im Mutter-Kind-Heim Geschenke verteilt.

Übermorgen dürfen wir auch schon das neue Jahr begrüßen. Allerdings wird dies ohne Feuerwerk geschehen, weil dieses in Burundi verboten ist. Schüsse sind schwer von dem Knallen der Raketen zu unterscheiden. Ich werde dieses Mal vielleicht einfach in das neue Jahr hinüberschlafen und davon träumen, dass es Burundi im nächsten Jahr gelingt, nicht mehr das ärmste Land der Welt zu sein.

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~ von lauraschmidtniederhoff - Dezember 29, 2007.

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