Muhira – Straßenfußball in Burundi

Der 24. Dezember ist ein historisches Datum. Für die Welt sowieso und seit dem 24.12.2007 für Imani und mich in doppeltem Sinne. Wir haben den ersten Straßenfußballverein für Frauen in Burundi gegründet: Muhira (bedeutet in der Landessprache Kirundi „zu Hause“). Nach monatelanger Vorbereitung sind Imani, unsere drei burundischen Gründungsmitglieder Maryam, Yasmin und Bukuru und ich zum Notar gegangen und haben es offiziell gemacht. Obwohl wir auch in den Monaten zuvor schon Fußball gespielt hatten, mussten wir erst die Erlaubnis der burundischen Behörden einholen, um nun richtig loslegen zu können – mit Werbung und der Zuteilung der Mannschaften in die bestehenden Quartiers von Bujumbura.

Mancher wird sich sicherlich die Frage stellen: Was ist eigentlich Straßenfußball? Straßenfußball wird, im Gegensatz zu „normalem“ Fußball, auf Kleinfeld gespielt. Auf dem Feld stehen maximal fünf Spielerinnen. Aus Gründen der Effektivität gibt es in unseren Mannschaften bis zu sieben Spielerinnen, zwei fungieren demnach als Auswechselspieler. Ein besonderes Kennzeichen des Straßenfußballs liegt darin, dass das Spiel auf Zivilcourage und Toleranz basiert. Um dieses zu gewährleisten, zählen wir nicht nur die Tore, es werden zusätzlich Punkte für besonders faires Verhalten auf dem Spielfeld gegeben.

Warum dürfen nur Frauen spielen? Das liegt daran, dass Frauen nach wie vor eine der benachteiligsten Gruppen in Burundi darstellen. Zwar gibt es etliche Programme diverser Hilfsorganisationen, die Frauen in Notlagen unterstützen. Aber was ist mit all jenen, die in den Armenvierteln leben und deren Perspektive dort extrem eingeschränkt ist? Die Lethargie, die die Bewohner der armen Quartiers erfasst, ist einer der hartnäckigsten Feinde des Landes. Und gerade Frauen sind davon betroffen, weil sie trotz Gleichstellungsgesetz immer noch in patriarchalischen Strukturen leben. Die „Männersportart“ Fußball wird bei Muhira deshalb zur reinen „Frauensportart“, um unseren Spielerinnen einen geschützten Raum zu sichern, in dem sie ihrer Freizeitbeschäftigung nachgehen können.

Muhira ist nicht der erste Frauenfußballverein. In Burundi existieren tatsächlich einige Frauenmannschaften. Der Unterschied zu diesen Vereinen besteht in der geographischen Ausbreitung unseres Projektes. Unser Ziel ist es, Turniere zwischen allen bestehenden Quartiers in Bujumbura zu veranstalten – Quartiers wie Buyenzi, Bwiza, Kamenge, Jabé oder Cibitoke. Damit wollen wir den Frauen und Mädchen nicht nur Spaß an Fußball vermitteln, es geht um das Gefühl, die Initiative zu ergreifen und Kontakte auch zu Gleichgesinnten außerhalb des bewohnten Quartiers zu knüpfen. Im Hinblick auf Quartiers, die sich als „Hutu-Viertel“ (z.B. Kamenge) bzw. „Tutsi-Viertel“ definieren, kommt dem eine besondere Bedeutung zu, ebenso, was die Religionszugehörigkeit der Bewohner verschiedener Quartiers anbelangt (Buyenzi und Bwiza sind beispielsweise rein islamische Viertel).

Momentan arbeiten wir daran, die Mannschaften der einzelnen Quartiers aufzustellen. Die Mannschaften aus dem Quartier Buyenzi existieren bereits seit einiger Zeit auf Grund der familiären Verbindungen von Imani in dieses Viertel. Vor einer Woche haben wir begonnen, unsere Werbung in den anderen Quartiers zu forcieren. Wir verteilen zum Beispiel Flyer und es ist uns sogar gelungen, Muhira in drei Radiosendern unterzubringen. Weiterhin suchen wir Zuständige für die einzelnen Quartiers, die für die in Entstehung begriffenen Mannschaften als Ansprechpartner fungieren. Es liegt also noch viel Arbeit vor uns. Und: Wir brauchen ihre Hilfe! Wenn Sie Muhira mit Spenden unterstützen wollen, freuen wir uns sehr darüber! Wir müssen besonders unsere Unkosten decken wie die Verpflegung der Spielerinnen während eines Spiels, die Preise für die Siegermannschaften und die Bezahlung unserer Mitarbeiter. Auch Sachspenden sind willkommen. Alles wird benötigt: Fußballschuhe, Trikots, Leiberl, Schienbeinschoner, etc.

Geldspenden richten Sie bitte an:
Burundikids e.V.
Dresdner Bank Köln
BLZ 370 800 40
Konto 0327 473 100
Verwendungszweck: Muhira

Sachspenden senden Sie bitte an:
Muhira c/o Fondation Stamm
Rue Rwagasore
B.P. 2432
Bujumbura
Burundi

Wir bedanken uns schon einmal im Voraus für Ihre Unterstützung. Bald werden wir auch unsere Internetseite freischalten, auf der Sie sich über den Fortschritt unseres Projektes informieren können. Die Seite befindet sich noch im Aufbau. Eine entsprechende Notiz folgt in diesem Blog, wenn sie online ist.

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~ von lauraschmidtniederhoff - Januar 12, 2008.

4 Antworten to “Muhira – Straßenfußball in Burundi”

  1. das ist ja toll, echte Netzwerkarbeit und dazu noch etwas, was Spaß macht, ich bewundere Ihren Elan, Grüße an Imani und ich hoffe auf Ihren Erfolg für diese sinnvolle Sache für Mädchen und Frauen.

  2. Vielen Dank! 🙂 Es macht sehr viel Spaß, wir bleiben auf jeden Fall dran und hoffen auf ganz viel Feedback bzw. Unterstützung.

  3. Sie mit Muhira möchte ich auch gerne unterstützen, deshalb sagen Sie bitte Ruth Bescheid, dass ich ihr maile, vielleicht schaut sie schneller rein?! Gruß Barbara

  4. hey laura,
    ich wusste gar nicht dass du auch fußball begeistert bist, ich habe selbst auch jahrelang in einer frauenmannschaft gespielt. Falls ich nach burundi kommen kann, kann ich so einiges an ausrüstung von mädels die aufgehört haben mitbringen…und wer weiß, vllt fange ich ja dann auch selber wieder an 🙂
    Viel erfolg euch!
    liebe grüße
    johanna

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