auf zanzibar

obwohl wir erst einen tag in zanzibar sind, haben wir uns schon mehrmals verlaufen. die kleinen gassen von stone town sind so verwinkelt, dass ein fortkommen ohne stadtplan gefaehrlich werden kann. vor allem nachts. obwohl mich mein reisefuehrer vor abendlichen spaziergaengen gewarnt hatte, liessen imani und ich es uns gestern nicht nehmen, den weg von dem restaurant, in dem wir gegessen hatten, zu unserem hotel zu fuss zu gehen. angebote mehrerer eifriger taxifahrer schlugen wir aus, in dem glauben, den kurzen weg auch in der dunkelheit zu finden. nach einigen minuten laufzeit bemerkten wir unsere fehlentcheidung und sahen uns nach einem taxi um – doch weit und breit war keines mehr zu sehen. nur dunkle, verwinkelte gassen, in denen sich vor allem die maennliche bevoelkerung stone towns versammelt hatte, um an einem der vielen strassenstaende ein mitternachtsmahl einzunehmen. unser auftreten sorgte dementsprechend fuer aufruhr und allerorts wurden wir begruesst (mambo, habari gani?) oder verfolgt (where are you going? can I help you?). die penetranz, mit der die touristische bevoelkerung an einigen strategischen punkten der stadt belaestigt wird, durften wir auch heute erfahren, als wir, auf der suche nach einem preislich angemessenen restaurant, den weg am hafen entlang nahmen. selbst ausdrueckliche beteuerungen, sich auch alleine zurecht zu finden, werden von selbst ernannten touristenfuehrern ignoriert. meist hilft nur ein rascher richtungswechsel, denn hysterie und aggressivitaet machen die situation nur noch schlimmer.
zanzibar ist touristisch, und jeder versucht, daraus kapital zu schlagen. die preise sind enorm gestiegen, denn zanzibar wird als die perle des indischen ozeans gesehen. und schoen ist es hier wirklich! die kleinen gassen von stone town, versteckte restaurants, flackerndes kerzenlicht, das nachts die weiss-grauen waende der stadt erhellt. tagsueber kann man am hafen den blick auf die im meer schaukelnden fischerboote geniessen, im hintergrund erahnt man die teils unbewohnten inseln, die zanzibar umgeben. weisse sandstraende und unberuehrte natur findet man dort, ganz im sinne eines kurzzeit-robinson-crusoe-urlaubers, der der europaeischen depression ein schnippchen schlagen will. kein wunder, dass zanzibar viele besucher anzieht. wen ueberrascht es da, dass die bevoelkerung kapital aus dem vorhandenen klientel pressen will? in tanzania, ebenso wie in burundi, wird um das taeglische essen gekaempft und geschachert. die touristen bleiben davon relativ unberuehrt, sind nur dann betroffen, wenn sie, wie imani und ich, von verhaermten gesichtern und entzuendeten augen um einen job gebeten werden.
das wirkliche leben auf zanzibar laesst sich fuer uns momentan nur erahnen. zum beispiel dann, wenn eine gruppe kleiner jungen in muslimischer tracht den abendlichen weg zur moschee nimmt, der imam mit durchdringender stimme zum morgendlichen gebet ruft, ein fischer sein boot fuer die ausfahrt vorbereitet. man vermutet, dass es noch ein leben hinter der fassade gibt, in dem touristen keine rolle spielen und das taegliche leben eigenen regeln folgt.

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~ von lauraschmidtniederhoff - April 25, 2008.

Eine Antwort to “auf zanzibar”

  1. Danke für den Bericht, Gruß an alle, Barbara

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