Steigende Preise

 

Die Preise in Burundi sind enorm gestiegen. Wieder einmal frage ich mich, wie sich die Menschen hier noch ernähren können. Ein Gespräch mit Verena Stamm bestätigt mich in meinen Ansichten: Sie erzählt, dass die Menschen auf dem Land wenigstens noch ihre Süßkartoffeln ernten können. Die Einwohner Bujumburas haben nichts, wenn die Preise weiter steigen. Sie müssen Hunger leiden.
In der neu gebauten Schule in Kajaga passiert es nicht selten, dass Schüler während des Unterrichts Schwächeanfälle erleiden. Fragt man sie, warum, heißt es, dass sie am Abend zuvor nichts zu Essen bekommen haben. Morgens wird sowieso nicht gefrühstückt. Um den Missstand ein wenig zu beheben, hat Verena nun die Schulspeisung verstärkt. Die Kinder essen in der Schule und machen dort auch ihre Hausaufgaben. Dann dürfen sie nach Hause gehen. So haben viele von ihnen zumindest eine Mahlzeit am Tag in den sonst leeren Mägen.
Auch für Burundikids / die Fondation Stamm wird die Situation von Tag zu Tag schwieriger. Die Versorgung der Heime nimmt größere Summen des so dringend benötigten Geldes in Anspruch.
Mir wird der Unterschied zu Deutschland in der jetzigen Situation immer deutlicher vor Augen geführt. Natürlich haben sich die Preise auch in Europa erhöht. Natürlich bekommen das auch die Verbraucher zu spüren. Passiert aber so etwas in einem fragilen Staat wie Burundi, geht es ums Überleben. Da wird nichts kompensiert! Die Bedingungen werden härter, es herrscht Mangel an Gütern fast mit sofortiger Wirkung. Momentan gibt es zum Beispiel kein Diesel mehr. Sollte sich der Benzinpreis noch einmal erhöhen, weiß ich nicht, was passieren wird. Und eines muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Preise für Lebensmittel haben sich in den letzten 12 Monaten verdoppelt.
Von der steigenden Kriminalität, eine Folge der immer härter werdenden Lebensbedingungen, möchte ich gar nicht erst anfangen.

Auch für Muhira bringt die Preislage Schwierigkeiten mit sich. Imani und ich haben entschieden, nun eine Sommerpause einzulegen, bis wir unser Projekt fortführen können. An fehlender Begeisterung mangelt es nicht. In Buyenzi haben wir mehr Spielerinnen als je zuvor – unser Programm hat sich herumgesprochen. Die Mädchen bitten uns, trotzdem weiterzumachen, irgendwie. Das einzige, was wir ihnen sagen können, ist, dass wir bestimmt nicht so einfach aufgeben.
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~ von lauraschmidtniederhoff - Mai 18, 2008.

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