Filmriss vom Freitag

•Mai 18, 2008 • Schreibe einen Kommentar

Ok, schon wieder zu spät. Ich geb´s zu… Hier die letzten drei Teile von „Ghosts of Rwanda“.

 

Filmriss am Freitag

•Mai 1, 2008 • Schreibe einen Kommentar

Eine kurze Notiz: Den Filmriss gibt es erst wieder, wenn ich zurueck in Burundi bin. Das wird hoechstwahrscheinlich naechste Woche der Fall sein.

auf zanzibar

•April 25, 2008 • 1 Kommentar

obwohl wir erst einen tag in zanzibar sind, haben wir uns schon mehrmals verlaufen. die kleinen gassen von stone town sind so verwinkelt, dass ein fortkommen ohne stadtplan gefaehrlich werden kann. vor allem nachts. obwohl mich mein reisefuehrer vor abendlichen spaziergaengen gewarnt hatte, liessen imani und ich es uns gestern nicht nehmen, den weg von dem restaurant, in dem wir gegessen hatten, zu unserem hotel zu fuss zu gehen. angebote mehrerer eifriger taxifahrer schlugen wir aus, in dem glauben, den kurzen weg auch in der dunkelheit zu finden. nach einigen minuten laufzeit bemerkten wir unsere fehlentcheidung und sahen uns nach einem taxi um – doch weit und breit war keines mehr zu sehen. nur dunkle, verwinkelte gassen, in denen sich vor allem die maennliche bevoelkerung stone towns versammelt hatte, um an einem der vielen strassenstaende ein mitternachtsmahl einzunehmen. unser auftreten sorgte dementsprechend fuer aufruhr und allerorts wurden wir begruesst (mambo, habari gani?) oder verfolgt (where are you going? can I help you?). die penetranz, mit der die touristische bevoelkerung an einigen strategischen punkten der stadt belaestigt wird, durften wir auch heute erfahren, als wir, auf der suche nach einem preislich angemessenen restaurant, den weg am hafen entlang nahmen. selbst ausdrueckliche beteuerungen, sich auch alleine zurecht zu finden, werden von selbst ernannten touristenfuehrern ignoriert. meist hilft nur ein rascher richtungswechsel, denn hysterie und aggressivitaet machen die situation nur noch schlimmer.
zanzibar ist touristisch, und jeder versucht, daraus kapital zu schlagen. die preise sind enorm gestiegen, denn zanzibar wird als die perle des indischen ozeans gesehen. und schoen ist es hier wirklich! die kleinen gassen von stone town, versteckte restaurants, flackerndes kerzenlicht, das nachts die weiss-grauen waende der stadt erhellt. tagsueber kann man am hafen den blick auf die im meer schaukelnden fischerboote geniessen, im hintergrund erahnt man die teils unbewohnten inseln, die zanzibar umgeben. weisse sandstraende und unberuehrte natur findet man dort, ganz im sinne eines kurzzeit-robinson-crusoe-urlaubers, der der europaeischen depression ein schnippchen schlagen will. kein wunder, dass zanzibar viele besucher anzieht. wen ueberrascht es da, dass die bevoelkerung kapital aus dem vorhandenen klientel pressen will? in tanzania, ebenso wie in burundi, wird um das taeglische essen gekaempft und geschachert. die touristen bleiben davon relativ unberuehrt, sind nur dann betroffen, wenn sie, wie imani und ich, von verhaermten gesichtern und entzuendeten augen um einen job gebeten werden.
das wirkliche leben auf zanzibar laesst sich fuer uns momentan nur erahnen. zum beispiel dann, wenn eine gruppe kleiner jungen in muslimischer tracht den abendlichen weg zur moschee nimmt, der imam mit durchdringender stimme zum morgendlichen gebet ruft, ein fischer sein boot fuer die ausfahrt vorbereitet. man vermutet, dass es noch ein leben hinter der fassade gibt, in dem touristen keine rolle spielen und das taegliche leben eigenen regeln folgt.

dar es salaam

•April 24, 2008 • Schreibe einen Kommentar

habe ich im letzten eintrag tatsaechlich geschrieben, in afrika sei nur auf busse verlass? ich muss mich korrigieren: in afrika ist, verkehrstechnisch gesehen, auf nichts verlass und das haette ich wissen muessen.

unsere reise stand unter keinem guten stern, als ruth, martina, imani und ich letzte woche in urlaub aufbrachen. in der nacht vor unserer abreise hatte die fnl bujumbura angegriffen. schuesse, granaten und sogar bomben fielen und erschuetterten den boden. mit diesen geraeuschen im hintergrund schliefen wir ein – dass mir das moeglich war, erstaunt mich immer noch – und von dem ploppen der kalaschnikows begleitet, wachten wir wieder auf. trotzdem standen wir um sieben uhr morgens puenktlich am busbahnhof, halb in der erwartung, nicht fahren zu koennen, weil die sicherheitslage so fragil schien.
wir fuhren schliesslich doch – einige stunden spaeter. und wie sich herausstellen sollte, war die erste wartezeit am fruehen morgen nur ein vorgeschmack auf das, was da noch seiner dinge harrte. denn keine halbe stunde spaeter, mitten im rebellengebiet, fing der bus an zu rauchen. auch ohne nach draussen zu gehen und mir die ursache des uebels anzusehen, wusste ich: das kuehlwasser laeuft aus. dass wir so nie dar es salaam erreichen wuerden, war klar, deshalb drehte unsere reisegesellschaft  nach einigen halbherzigen versuchen, den berg richtung ngozi zu erklimmen, um, um auf eigene faust zwei stadtbusse zu mieten, die uns noch am selben tag zur tanzanischen grenze vor kibongo bringen sollten. dort wuerden wir dann auf den uns versprochenen bus warten, der uns von kibongo aus nach dar es salaam geleiten sollte. das ziel war, trotz verspaetung den zeitplan einzuhalten, weshalb der busfahrer unseres kleinen stadtbusses auch ohne ruecksicht auf verluste richtung tanzanische grenze hechtete – es war schliesslich bereits 15 Uhr nachmittags.
an der grenze verbrachten wir eine nacht im hotel auf burundischem boden, ueberquerten am naechsten morgen die tanzanische grenze und warteten in dem kleinen dorf kibongo auf die ankunft unseres reisebusses, der nebenbei bemerkt die aufschrift ‚best connection east africa‘ fuehrt. wir warteten. und warteten. und der bus kam, wiederum mit sechs stunden verspaetung und – das war die groesste ueberraschung – vollkommen demoliert. die haelfte der windschutzscheibe war eingebrochen, so dass der wind beim fahren durch den ganzen bus fegte. ein unfall mit einem fahrradfahrer sollte die ursache gewesen sein.
dennoch stiegen wir ein und waren sehr erleichtert, dass wir bereits nach kurzer zeit in einen neuen bus, der uns aus der richtung von dar es salaam entgegenkam, umsteigen konnten. so kommen wir doch noch ans ziel unserer reise, dachten wir. da konnte uns auch ein weiterer naechtlicher aufenthalt im laendlichen tanzania und die motorpanne kurz vor dar es salaam nicht mehr aus der ruhe bringen. sonntag nacht schliesslich erreichten wir dar es salaam.
hier trennten sich ruths und martinas wege von den unseren. imani und ich erkundeten in den naechsten tagen die stadt und liessen uns von dem treiben auf dem bunten kariakoo markt, dem groessten markt dar es salaams, gefangen nehmen. wir konnten es natuerlich auch nicht lassen, uns gleich mit schmuck der massai-frauen einzudecken, die ihre waren an kleinen tischen auf dem markt feilboten. ein weiteres highlight dar es salaams sind die dalladallas, die busse, die sich ‚oeffentliche verkehrsmittel‘ schimpfen. der erste versuch von imani und mir, dalladalla zu fahren, fand in der hauptverkehrszeit statt – eine ueberaus schlechte ausgangsposition. da wir von burundi gewohnt waren, in den bussen sitzen zu koennen, ohne atemnot zu bekommen, waren wir vollkommen ueberfordert von den dar es salaamer bussen, in denen leute sitzen, stehen und sich uebereinander stapeln. als es imani und mir gelang, in einen der busse hinein zu klettern, schworen wir uns nach unserem ueberstuerzten und vozeitigen verlassen des busses, nie wieder dalladalla in dar es salaam zu fahren. am naechsten tag achteten wir dann darauf, nicht die rush hour zu erwischen und hatten doch noch eine nette fahrt.
leider ist eine rundreise nie dazu geeignet, tiefe einblicke in die kultur eines landes zu gewinnen. nur eindruecke lassen sich festhalten: die wichtigkeit, die die tanzanier einer begruessung beimessen; das klimpern der strassenhaendler mit den muenzen, um potentielle kunden auf sich aufmerksam zu machen; der patriotismus und die liebe der tanzanier zu ihrem land; die mixtur der kulturen, die sich im ganzen land und besonders in dar es salaam offenbart.

heute haben imani und ich dar es salaam hinter uns gelassen und uns auf den weg nach zanzibar gemacht. die insel vor dar es salaam ist bekannt fuer seine traumhaften straende und ich bin gespannt, ob sie sich als das herausstellen, was die werbung verspricht. momentan haben wir uns in einem guest house in stone town eingemietet, werden also ein paar tage in der hauptstadt zanzibars verbringen. salaam aleikum!

(die fehlende grossschreibung erklaert sich durch die arabischen schriftzeichen, die die tastatur in dem internetcafe, in dem ich sitze, hoechst verwirrend machen; andererseits: ich war schon immer ein verfechter einer echten rechtschreibreform…)

Filmriss am Freitag

•April 17, 2008 • 1 Kommentar

Noch sind wir in Burundi. Aber morgen geht es los nach Tanzania – endlich. Nachdem ich mein Visum mit erheblicher Verzögerung bekommen und dabei das Innenleben des Ministeriums für Sicherheit kennenlernen durfte, konnten wir heute endlich den bereits reservierten Bus bezahlen. Dass es eine direkte Buslinie von Bujumbura nach Dar Es Salaam gibt, war uns neu. Dem Touristeninformationsbüro von Bujumbura übrigens auch. Aber wir hatten es ja auch der allgegenwärtigen Mund-zu-Mund-Propaganda zu verdanken, dass wir erfahren haben, dass die Zuglinie von Kigoma nach Dar Es Salaam bestreikt wird. So what? Es scheint, als wäre in Afrika nur auf Busse Verlass.
Da es morgen früh um sieben Uhr los geht, hier schon einmal der Filmriss vom Freitag am Donnerstag („Ghosts of Rwanda Teile 7, 8 und 9). Bis bald in Tanzania!

Filmriss am Freitag

•April 11, 2008 • Schreibe einen Kommentar

Besser spät als nie: Der vierte, fünfte und sechste Teil von „Ghosts of Rwanda“.

Reise nach Tanzania

•April 10, 2008 • 3 Kommentare

Ich bin in Aufbruchstimmung! Nächste Woche werde ich für eine Weile nicht mehr aus Burundi berichten, sondern aus Tanzania, das ich zusammen mit Imani, Ruth und ihrer Cousine Martina für ca. drei Wochen bereisen werde. Vorausgesetzt natürlich, ich schaffe es, mir Zeit für das Führen meines Tagebuchs zu nehmen und mir begegnet auf einer Reisestrecke von rund 2000 km ein Internetanschluss.
Unsere Reisevorbereitungen dagegen halten sich in Grenzen. Wie auch? Im Internet gibt es, im Gegensatz zu Burundi, zwar eine Fülle an Informationen über Tanzania, wirkliche Reiserouten oder eine Infrastruktur sind auf den ersten Blick aber nicht zu erkennen. Und da wir keine touristische Safari machen, sondern zum ersten Mal in unserem Leben zu wahrhaftigen Rucksack-Reisenden werden, gibt es nur eins: Landkarte her und eine ungefähre Route festlegen, die uns von Bujumbura nach Kigoma, einer tanzanischen Stadt knapp hinter der Grenze, und von dort aus mit dem Zug in einen Ort namens Dodoma führen soll. Hier wollen wir einen Bus nach Dar Es Salaam nehmen, um das Leben in der Hauptstadt Tanzanias zu erkunden. Im Anschluss daran werden wir Zanzibar unter die Lupe nehmen und vielleicht schaffen wir es auch noch, die schneebedeckte Kuppe des Kilimanjaro zu genießen – aus der Ferne, was mich angeht.
Auf den Fremdenverkehrsseiten tanzanischer Reiseanbieter wird kräftig die Werbetrommel gerührt. So habe ich letzte Woche erfahren, dass Tanzania die Heimat der Serengeti ist, Zanzibar ein eigenes Parlament hat und man die ehemalige Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas, Bagamoyo, auf keinen Fall verpassen sollte. Und ganz ehrlich: Ich freue mich auf ein Land, in dem das Wort „Tourismus“ zum Standardvokabular gehört. Obwohl man natürlich nie sicher sein kann, was passiert. Allein die Tatsache, dass in Tanzania rund 127 verschiedene Sprachen gesprochen werden, könnte bedeuten, dass in der Bevölkerung Kommunikationsprobleme zumindest unterschwellig existieren. Zum Glück steht in den nächsten drei Wochen keine Präsidentschaftswahl an (siehe Kenia).
Für mich wird die Kommunikation indes erleichtert, denn das britische Kolonialerbe hat auch in Tanzania linguistische Spuren hinterlassen. Noch bemerkenswerter ist jedoch, dass sich die offizielle Landessprache Suaheli gegen das Englische durchsetzen konnte. Damit ist Tanzania eines der wenigen Länder des afrikanischen Kontinents, dem es gelang, sich in gewisser Weise auf Wurzeln zu besinnen. Richtig so.

Nachtrag: Die Leitung von Muhira wird während dieser Zeit Mariam Irambona übernehmen, das dritte Gründungsmitglied unserer Organisation. Unterstützt wird sie von Thierry Ruhingubugi, der für die Fondation Stamm arbeitet und nun auch Muhira tatkräftig unterstützt.